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Görlitz und Zgorzelec: eine Stadt, zwei Länder, eine Fußgängerbrücke

GörlitzVeröffentlicht 2 Okt. 20262 Min. Lesezeit
Die Fußgängerbrücke über die Neiße zwischen Görlitz und Zgorzelec, am anderen Ufer Zgorzelec
Die Neißebrücke zwischen Görlitz und Zgorzelec. Foto: Dguendel, CC BY 3.0, über Wikimedia Commons.

Am östlichen Rand Sachsens trennt ein schmaler Fluss zwei Länder und gewissermaßen eine Stadt. Westlich des Wassers liegt Görlitz in Deutschland, mit einer der am besten erhaltenen Altstädte des Landes. Östlich liegt Zgorzelec in Polen. Bis 1945 waren sie eine Stadt. Heute geht man in wenigen Minuten von der einen zur anderen.

Wie eine Stadt geteilt wurde

Der Fluss ist die Lausitzer Neiße (polnisch Nysa Łużycka). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Grenze zwischen Deutschland und Polen entlang von Oder und Neiße gezogen, und der Fluss lief mitten durch Görlitz. Das historische Zentrum blieb am westlichen Ufer. Die Viertel jenseits des Flusses, bis dahin der östliche Teil von Görlitz, wurden zur polnischen Stadt Zgorzelec.

Jahrzehntelang war die Linie zwischen ihnen die Grenze zweier sozialistischer Staaten, nur mühsam zu überqueren. Die Brücken, die die beiden Ufer verbunden hatten, wurden zum Rand der Landkarte.

Eine Stadt, die ganz blieb

Görlitz kam weitgehend unbeschädigt durch den Krieg, was in dieser Gegend Europas selten ist. Deshalb birgt die Altstadt noch gotische, Renaissance-, Barock- und Jugendstilbauten in einem dichten, gut begehbaren Kern, mit Tausenden Denkmälern. Die beiden großen Plätze, Untermarkt und Obermarkt, säumen Kaufmannshäuser, und über der Altstadt ragt die Peterskirche auf.

Dieselben Straßen machten die Stadt bei Filmteams beliebt. Görlitz diente als Drehort unter anderem für Der Vorleser und The Grand Budapest Hotel, und manche Einheimische nennen es halb im Scherz „Görliwood". Wenn Ihnen eine Straße merkwürdig vertraut vorkommt, kann das der Grund sein.

Hinübergehen

Am einfachsten spürt man die Geschichte, wenn man die Altstadtbrücke zu Fuß von der deutschen auf die polnische Seite überquert und sich dann umdreht. Vom polnischen Ufer hat man den besten Blick auf die Silhouette von Görlitz. Beide Städte bezeichnen sich heute gemeinsam als „Europastadt", und das zeigt sich im Kleinen: gemeinsame Veranstaltungen und Menschen, die auf der einen Seite wohnen und über die Brücke zur Arbeit oder zum Einkaufen auf die andere gehen.

Eine praktische Route für einen halben Tag:

  1. Am Untermarkt beginnen, die Fassaden ansehen, dann den Obermarkt.
  2. Hinunter zum Fluss und zur Altstadtbrücke gehen.
  3. Nach Zgorzelec hinübergehen und vom gegenüberliegenden Ufer auf die Altstadt zurückblicken.
  4. Auf demselben Weg zurückkehren oder eine Schleife durch die polnische Seite drehen.

Warum sich die Reise lohnt

Görlitz und Zgorzelec sind klein, tragen aber ein ganzes Jahrhundert europäischer Geschichte auf wenigen hundert Metern: eine Stadt, eine Grenze und dann eine Brücke. Das ist ein Ort für einen Spaziergang auf eigene Faust, denn die Geschichte steckt in den Straßen und im Fluss, nicht in einem Museum.